Freitag, 15. Dezember 2017

Blogger-Adventskalender mit Thalea Storm

Hallo Stübchenleser.

Heute bin ich dran im Thalea Storm Adventskalender :)
Und ich habe euch heute ein mega tolles Buch mitgebracht. Ich habe es geliebt und gehasst. Ihr fragt euch um welches Buch es geht?

Hinter dem 15ten Türchen versteckt sich "Löwenflügel" von Thalea. Ein wundervolles Buch, das sich zu lesen lohnt

*******************************************
                                     Und darum gehts:
Wie normal kannst du sein, wenn du eigentlich total unnormal bist? 
Leo hält sich für unnormal, denn er ist anders. Schüchtern, zurückhaltend und vielleicht ein bisschen komisch. Er lebt in seiner eigenen Welt, die keinen Platz für die Leichtigkeit des Lebens lässt. Den Blicken und Vorurteilen der Gesellschaft ausgesetzt, versucht er, sich durchs Leben zu schlängeln und eckt dabei überall an, wo er nur anecken kann. Kaum jemand ahnt, was hinter seinem merkwürdigen Verhalten steckt, denn Leo ist krank. Psychisch krank. Er leidet unter einer Sozialen Phobie, die ihm die Teilhabe am Leben nahezu unmöglich macht. Sein Alltag ist erfüllt vom eigenen Kampf gegen sich selbst und der steten Hoffnung, irgendwie in eine Gesellschaft zu passen, die ihn nicht akzeptieren will. Erst die quirlige, lebenslustige Maya, die hinter seine geheimnisvolle Fassade blickt, haucht ihm mit ihrer Neugierde, Aufgeschlossenheit und vor allem Toleranz, endlich wieder Leben ein. Sie nimmt ihn an die Hand und er lässt sich von ihr führen, unter dem trügerischen Gefühl von Sicherheit. Leo gibt sich Maya und ihrer Zuneigung vollends hin und ahnt dabei nicht, welche dramatischen Folgen ihre Freundschaft für ihn haben wird. Wie schnell muss man rennen, um dem eigenen Selbst zu entkommen? Leo und Maya. Eine herzerwärmende, emotionale Geschichte von aufregender Freundschaft, zaghafter Liebe, unsterblicher Hoffnung und dem steten Versuch, etwas passend zu machen, das einfach nicht passt. 


******************************************




******************************************************
Ich habe nun eine kleine Leseprobe aus „Löwenflügel“ für euch.

Auszug aus Kapitel 21
- Leo -

[…]
Alle Augen richteten sich auf mich.
In meinem Brustkorb bildete sich ein unglaublicher Druck. Ich versuchte zu atmen, doch es drang kein Sauerstoff in meine Lungen. Zitternd blätterte ich die einzelnen Seiten der Speisekarte um. Die Buchstaben verschwammen vor meinem Auge.
Ich kann das nicht. 
Ich schaff es nicht. 
Mir ist schlecht. Mein Magen. Sie hören meinen Magen. Wenn sie den hören, stellen sie blöde Fragen. Heiß. Mir ist so heiß. Ob sie mein Herz hören? Sie fragen sich bestimmt schon, was mit mir nicht stimmt. 
„Moussaka ist unser Tagesgericht. Kann ich sehr empfehlen. Nur 14,50 Euro.“
„Das isst der doch sowieso nicht auf. So viel Geld umsonst.“, knurrte Papa.
„Bestell dir das ruhig, Großer. Iss so viel du schaffst.“, versuchte Mama die Situation zu retten.
„So ein Freak.“, schüttelte Luisa den Kopf.
„Ist auch mit Vorspeisensalat.“, lächelte der gebräunte Kellner.
Wie auch immer ich es schaffte, aber mein Kopf begann zu nicken und der Kellner verstand es als Zustimmung und verschwand.
Das Warten aufs Essen war schon eine Qual für sich allein. Ich konnte an keinem Gespräch teilnehmen und war die ganze Zeit damit beschäftigt, meine schweißnassen Hände an der Jeans trocken zu wischen. Jedes Mal, wenn der Kellner um die Ecke kam, durchfuhr es meinen Körper wie bei einem Blitzeinschlag. Immer wieder sah ich auf die Uhr an der gegenüberliegenden Wand. Der Zeiger schien sich in Zeitlupe fortzubewegen. Beim vierten Blitz, der gefühlt durch meinen Körper zuckte, war es unser Essen. Schon aus der Ferne erkannte ich meinen Teller und schluckte den unheimlich großen Kloß in meinem Hals runter. 
„Lass es dir schmecken.“, säuselte Luisa mit einem breiten Grinsen in meine Richtung, als ich mühselig versuchte, das Besteck in die Hände zu nehmen. Das Messer drehte ich dreimal in meiner Hand, bevor ich es in die richtige Position brachte. Zeit schinden. Nichts war wichtiger. 
Hinter meinem Rücken hörte ich ein Flüstern.
Wer saß da? Kannte ich die? Ich versuchte mich umzudrehen und stieß dabei mit meinem Arm das Saftglas um. 
„Mensch, Leo!“, schimpfte Papa. 
Der Kellner kam angerannt und wischte das Dilemma auf. Anschließend brachte er mir einen neuen Orangensaft. Ich würde ihn sowieso nicht austrinken, aber das wusste er noch nicht. 
„Sieht lecker aus.“, bemühte sich Mama, mir meinen übergroßen Teller, auf dem das Fett schwamm, schmackhaft zu machen. 
Mit einem letzten, tiefen Atemzug begab ich mich in die Schlacht und nahm das Besteck wieder in die Hände. Ich schob ein kleines Stück Hackfleisch auf meine Gabel und führte sie zum Mund. Ich konnte keinen Geschmack wahrnehmen. Das einzige, was ich spürte, war dieses Zeug in meinem Mund. Zu viel. Es war zu viel. Mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Als ich spürte, wie die Magensäure in meiner Speiseröhre aufstieg, legte ich das Besteck zur Seite.
„‘Tschuldigung.“, murmelte ich und verließ den Tisch in Richtung Toiletten. Als die Tür hinter mir ins Schloss fiel, fiel auch ein Teil der Anspannung von mir. Mit zitternden Händen versuchte ich, den Wasserhahn zu öffnen, bis ich feststellte, dass er über einen Sensor funktionierte. Das kalte Wasser rann durch meine Finger und ich spritzte es ins Gesicht. Die Kälte klärte meine Gedanken. Ich schloss die Augen und atmete konzentriert ein und aus. Das grelle Licht über dem Spiegel blendete mich, als ich mein Spiegelbild betrachtete. Meine Gesichtsfarbe war so weiß, dass ich blaue Äderchen durchschimmern sah. Ich schaffte es nicht, dort zu sitzen und zu essen. Menschen vor und hinter mir. Luisas blödes Grinsen. Papas vorwurfsvoller Blick. Mamas bemitleidendes Lächeln. Die Wände im Waschraum schienen plötzlich immer näher zu rücken. Erdrückten meine Gedanken. Nahmen mir jede Chance auf einen erlösenden Atemzug. Ohne einen weiteren Gedanken, aber mit stechenden Schmerzen im Magen stieß ich die Tür zum Speiseraum wieder auf, rannte am Tisch meiner Familie vorbei und peilte den Ausgang an.
„Leo!“, hörte ich Mama rufen und ihren Stuhl über den Steinboden kratzen. 
„Britta, setz dich hin. Die Leute!“
Das Getuschel der anderen Gäste wurde so laut, dass ich kein anderes Geräusch mehr wahrnahm.
Komischer Junge. Arme Familie. Wie peinlich. Guck dir die mal an. Nichts gegessen. Undankbar. Können sich nicht benehmen. Sieht krank aus.
Die Restauranttür knallte hinter mir zu und ich rannte. Ich rannte so schnell ich konnte. Wohin, dass wusste ich nicht. Ich lief einfach. Spürte den Wind durch mein Gesicht fegen. Fühlte, wie er mein Haar zerzauste und die Tränen auf meinen Wangen kühlte. Straßenlaternen, Autos, Menschen, Hunde – alles raste an mir vorbei. Nichts davon nahm ich wirklich wahr. Kies knirschte unter meinen Füßen. Pfützen spritzten Wasser bis an meine Oberschenkel. Es war mir egal. Ich wollte laufen. Musste laufen. Weg von diesem Restaurant, den Blicken, dem Druck. Vor allem aber wollte ich weg von mir. Obwohl ich um mein Leben rannte, schaffte ich es nicht, die Angst aus meinen Knochen weichen zu spüren. Sie war da. In mir. Kontrollierend. Zwingend. Sie würde immer da sein. Erst als ich keine Luft mehr bekam und meine Muskeln nach Erholung schrien, setzte ich mich im Stadtpark auf eine dreckige Bank und spürte zum ersten Mal, dass es niemals einen Ausweg geben würde. Egal wohin ich rannte. Die Angst rannte mit mir. Und sie war schneller.

**********************************************************

*********************************************************
Auszug aus meiner Rezension:
Thalea Storm hat einen wahnsinnig emotionalen und angenehmen Schreibstil, der mich innerhalb weniger Stunden durch das Buch geführt hat. Ich konnte es gar nicht aus der Hand legen und ich hab die Zeit total vergessen. 

Die Gefühle kommen so gut rüber, dass mir zum Schluss hin die Tränen liefen. Erst vor Freude, dann vor Traurigkeit. 

Es war eine wirkliche Achterbahn der Gefühle, nicht nur für Leo im Buch, sondern auch für mich als Leser.

Das Ende kam unerwartet und ist total unbefriedigend. Aber manchmal ist das Leben ein Ar.....

Meine komplette Rezension findet ihr HIER

Weitere Meinungen zu "Löwenflügel":

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen